…das Nötigste

In den folgenden Tagen wurde erst mal eine Bestandsaufnahme der Bol d’Or gemacht.

Schon beim Kauf war mir die weiche Bremse und die unterschiedlichen Bremssättel am Vorderrad aufgefallen.

unbekannter Bremssattel links
original Bremssattel rechts

 

Kein Wunder – die Bremskolben des linken Bremssattels hatten einen größeren Druchmesser als die des Originalen. Also flugs gebrauchten Ersatz sowie Reparaturkits für alle Bremssättel beschafft, alles gesäubert, zusammengebaut und neue Spiegler Stahlflex montiert. Dann noch alles entlüftet und …?

Mist, immer noch keinen Druckpunkt an der Vorderbremse!
Das Ganze über Nacht stehen lassen und am nächsten Tag nochmal entlüftet. Wieder Frust. Nach einigen Tagen bin ich dann darauf gekommen, dass eine falsche Bremspumpe verbaut war. Dies war mir aber auch nur deswegen aufgefallen, weil der zwischenzeitlich eingetroffene Reparatursatz für die Handbremspumpe nicht passte. Der Kolben des Reparatusatzes war im Durchmesser zu groß! Hier hatte also einer der Vorbesitzer wohl die Bremsanlage der Boldor ‚optimieren‘ wollen – leider in die falsche Richtung! Einerseits größere Bremskolben in einem der Bremssättel, zum anderen geringeres Fördervolumen der Bremspumpe, das kann nur schief gehen.
Also, auch noch eine gebrauchte Bremspumpe, diese mit neuem Reparatursatz versehen und was soll ich sagen…? Die Bolle kann vorne auf einmal wieder richtg bremsen.

 Durch diese Aktion bin ich aber noch misstrauischer geworden.

Kupplungsschalter überbrückt

 
Der Kupplungsschalter war auch außer Funktion gesetzt, dafür die Kabelenden mit einer Stecksicherung gebrückt. Seltsam!

Also, rasch im Sicherungskasten nachgeschaut, aber alles in Ordnung. Nachdem ich die Kabelenden wieder ordnungsgemäß am Kupplungsschalter angebracht hatte, funktionierte die Sicherheitsschaltung auch wieder wie sie sollte. Bei eingelegtem Gang ließ sich der Motor nur bei gezogener Kupplung starten. Aber warum dann diese eigenartige 20A Sicherung an diesen dünnen Kabeln?

Nach einigem Überlegen und Studium des Schaltplanes stieß ich auf die Hauptsicherung am Anlasserrelais, hinter dem linken Seitendeckel.

Also auch hier schnell nachgeschaut…

 Welch Überraschung!

Hauptsicherung überbrückt

Die 30A Blattsicherung war durch ein Bündel Litze ersetzt. Die Ersatzsicherung zerbröselte beim Anfassen zu Staub. Hier war ein wahrer Elektriker am Werk. Das hätte böse enden und zu einem ausgewachsenen Kabelbrand führen können. Also auch das wieder in Ordnung gebracht aber die nächste Baustelle ist auch schon aufgetaucht.

Der Gummi auf der Ansaugseite des 1. Vergasers war mit Gewebeband umwickelt, weil der Gummi spröde war und einen langen Riss hatte. Also auch alle Gummis gegen neue ersetzt, dann noch die Entlüftungsschläuche und den Sammelbehälter der Kurbelgehäuseentlüftung von Öl-/Wasser-Schlamm gereinigt, sowie Öl und alle Filter getauscht. So konnte ich etwas beruhigter eine längere Probefahrt unternehmen, denn am nächsten Tag stand der TÜV-Termin an.

Probefahrt und HU hat die alte Dame dann ohne Probleme gemeistert. Den Rest der Saison 2011 konnte ich also so in Angriff nehmen.